Wanderung auf der Alta Via dei Monti Liguriim Juni 2003
1. Tag (Anreise aus Süddeutschland):
Startpunkt unserer Wanderung war der „Hexenort“ Triora, wo wir nach der Anreise im Albergo Colomba d´Oro übernachteten (Halbpension mit 4-Gang-Menue à la carte - hervorragendes Essen! - 58 €, „Man spricht deutsch“). Der Ort ist sehr sehenswert, ein Abstecher bei einem weiter nördlicheren Beginn der Wanderung auf der AVML lohnt auf jeden Fall! Die Rückkehr zur AV über das Rif Allavena muss nicht – wie in Bätzings GTA-Führer erwähnt – auf der Straße erfolgen (vgl. 2.Tag)!
2. Tag (Triora – Rifugio Allavena, Gesamtgehzeit ca. 4 Stunden):
In Triora beginnt die Wanderung an der Wache der Carabinieri. Wir folgen hier den Wegweisern „Colle Melosa“ und „Loreto“ nach links. Nach ein paar Minuten auf der Straße geht der Weg („mulatteria“) am Ortsende in einen angenehmen Wiesensteig über: es folgt ein herrliches Wegstück durch wunderbar blühende Wiesen und vorbei an blühendem Ginster. Etwas lästig sind die hüfthohen Disteln, die desöfteren in den Weg hineinwachsen und unsere Beine hin und wieder zerkratzen. Die Markierung ist sehr gut (rot-weiß). Vorbei an einigen Kreuzwegstationen erreichen wir Loreto, wo wir die Brücke überqueren und der Asphaltstraße folgen, bis uns rechts einige Wegweiser den Weg Richtung Colla Belenda und Colla Melosa weisen. Achtung: schon nach kurzer Zeit zweigt der Steig von dem nicht geteerten Sträßchen ab, an der Abzweigung befindet sich leider keine Markierung! Nicht die durch zwei Steinsäulen und eine Kette abgesperrte Einfahrt zu einem privaten Ferienhaus überqueren, dann sind Sie bereits zu weit (wir sind hier zuerst auch falsch gegangen)!
Etwas oberhalb der unmarkierten Abzweigung finden sich auch wieder hinreichend Markierungen. Nun geht es stramm bergauf, bei rund 30 Grad Celsius wahrlich schweißtreibend, zu den verfallenen Hütten Case Goeto. Für diesen Pfad empfehle ich unbedingt Wanderschuhe, da wir auch Bekanntschaft mit einer Schlange geschlossen haben! Weiterhin gut markiert und auf 1 a-präpariertem Steig (links und rechts des Steiges ist im letzten Teil vor der Fahrstraße sogar gemäht!) erreicht man in der Nähe des Colla Belenda die asphaltierte Fahrstraße, der man nach rechts bis zum Rifugio Allavena des CAI (Halbpension für Alpenvereinsmitglieder 25 €, sonst 30 €) folgt. Auf diesem letzten Stück hat man auch einen herrlichen Blick hinunter zum Stausee Lago Tenarda. Die Hütte ist zwar mit dem Auto erreichbar, es übernachten aber nur noch 4 Holländer mit uns auf der Hütte, die allerdings nicht auf der AV wandern. Die Hütte ist gut ausgestattet, sogar mit Dusche. Doch leider haben wir das „Glück“, das just am Tag unserer Ankunft ein größeres Problem mit der Wasserversorgung aufgetreten ist und wir deshalb mit dem wenigen vorhandenen Wasser sehr sparsam umgehen müssen. Einen gehörigen Schreck bekommen wir, als während eines heftigen Gewitters am frühen Nachmittag der Blitz irgendwo in oder bei der Hütte einschlägt und der Strom für ein paar Sekunden ausfüllt. Es ist aber zum Glück nichts weiter passiert!
3. Tag
a) vormittags Rifugio Allavena – Rifugio Muratone (Gesamtgehzeit ca. 4 Stunden):
Vom Rif. Allavena folgen wir der Straße, die nur bis zu der von der Hütte aus sichtbaren Linkskurve geteert ist. An jener Kurve folgen wir nicht dem Steig zum Rif. Monte Grai, sondern laufen auf der alten Militärstraße weiter. Die Strecke ist zwar etwas länger, wegen der geringeren Steigung aber gerade an heißeren Tagen wesentlich angenehmer. Die nach links abzweigenden Pfade zum Alpini-Steig lassen wir unbeachtet, da es sich hier um einen Klettersteig (via ferrata) handelt. Erst beim Wegweiser „Ventimiglia“ zweigen wir nach links auf den kleineren Fahrweg ab, der uns in wenigen Minuten zur Alta Via (AV) bringt. Nach rechts geht es Richtung Rif. Monte Grai und Rif. San Remo, wir folgen der AV nach links und erreichen nach wenigen Minuten den Passo della Valetta (1 ¼ Std). Am Pass ist der Weg auch als „sehr schwierige“ Mountainbike-Route ausgeschildert, und im weiteren Verlauf des Weges fragen wir uns desöfteren, welche „Irren“ hier wohl mit dem bike unterwegs sind. Vom Passo della Valetta geht es angenehm kühl beschattet bergab, besonders auffallend sind die aufblühenden Alpenrosenfelder, und schier unglaublich ist die Vielzahl von Schmetterlingen, die wir hier wie auf der gesamten Wanderung antreffen. Wir umrunden den Monte Pietravecchia auf der Westseite und erreichen über den Col d´Incise (2 Std) nach 2 ½ Std. den Passo di Fonte Dragurina am Monte Torragio, wo wir von einer Gruppe weidender Ponys überrascht werden. Nach 3 ½ Std. passieren wir den französisch ausgeschilderten Col de Corbeau und nach 4 Std. erreichen wir bereits das Rif. Muratone. Die im GTA-Führer von Bätzing angegebene Zeit von 6 ½ Std stimmt wohl für die Gegenrichtung; weil es in unserer Richtung aber überwiegend bergab geht, ist diese Zeitangabe reichlich übertrieben. Eigentlich sollte das Rifugio unser Posto tappa sein, doch da wir bereits um 12 Uhr ankommen, beschließen wir, auch noch die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.
b) nachmittags Rifugio Muratone – Rifugio Alta Via (Gesamtgehzeit ca. 5 Stunden):
Da die nächste Etappe im GTA-Führer als sehr lang ausgewiesen ist und auch die Sicht etwas diesig ist, beschließen wir, auf der AV-Variante weiter zu wandern. Die Variante ist nicht als solche markiert, aber da man nur immer der Militärstraße folgen muss und auch die IGC-Karte sehr genau ist, stellt die fehlende Markierung kein Problem dar. Vom Rif. Muratone erreichen wir nach 5 Minuten den Passo Muratone und nach 15 Minuten den Colle Scarassan. Hier folgen wir nicht der AV, sondern gehen auf dem Strässchen weiter bis Gola di Gouta (30 Min). Dort folgen wir der Teerstraße nach rechts bis zu deren Ende, wo wir nach Überquerung der Brücke der Militärstraße nach links folgen. Alle Abzweigungen, z.B. zur Margheria Gion, lassen wir unbeachtet. Nach 3 ½ Std. erreichen wir das verlassene Rifugio Pau. Schade, dass das Rifugio nicht bewirtet ist, denn ab jetzt wurden unsere Beine immer schwerer und die Blasen an den Füßen immer mehr und der Himmel immer schwärzer! Kurz nach dem Rif. Pau mündet am Colla Sgora auch die AV wieder auf die alte Militärstraße ein. Die Militärstraße würden eingefleischte Bergwanderer wohl als „Autobahn“ bezeichnen, doch auch hier ist festes Schuhwerk und Aufmerksamkeit erforderlich, da der Straßenbelag häufig aus sehr grobem Schotter bzw. Gesteinsbrocken besteht und man leicht umknicken kann, wenn man während des Laufens allzu fasziniert ein Auge auf die Umgebung wirft!
Bereits am Vortag hatten wir am Rif. Allavena ein heftiges Gewitter erlebt, und daher versuchten wir nun im Galoppschritt, möglichst schnell an Höhe zu verlieren. Leider schafften wir es nicht mehr bis zum Rifugio Alta Via, ein etwas überhängender Berghang bot uns aber hervorragenden Schutz vor den Blitzen. Aus einem hier in der Natur entsorgten Fiat Ducato holen wir uns noch zwei Brettchen zum Draufsetzen, so dass wir es sogar halbswegs bequem hatten. Die Gewitterzelle war so schnell abgezogen wie sie gekommen war, und so nehmen wir bald den letzten Rest der Doppel-Etappe in Angriff. In der Aufregung des Gewitters haben wir die Abzweigung der AV von der Militärstraße am Passo del Cane übersehen, aber das macht nichts, weil wir sowieso auf letzterer bleiben müssen, um zum Rif. Alta Via zu gelangen. Wir sind zunächst allerdings etwas irritiert, da die Straße gem. IGC-Karte eigentlich schon viel früher asphaltiert sein müsste als es tatsächlich der Fall ist. Da es laut Karte aber keine weiteren Abzweigungen gibt, sind wir uns ziemlich sicher, auf dem richtigen Weg zu sein, was sich schließlich auch bestätigt. Die Straße ist erst ab den ersten Häusern asphaltiert und von hier an sind es nur noch wenige Minuten, bis uns ein Schild an der linken Straßenseite den Eingang zum Rif. Alta Via weist. Die Hausherrin empfängt uns schon mit einem vielfachen „bravi“, und nach dieser Mammut-Etappe wehren wir dieses Lob auch gar nicht als übertrieben ab. Wir haben auf dieser Etappe das Tempo wegen des Gewitters teilweise sehr forciert, so dass die 5 Stunden keinesfalls als Richtwert genommen werden sollten, ich rate sogar ab, diese beiden Etappen wie wir an einem Tag zu machen! Solch eine Mammutetappe, noch dazu bei großer Hitze ist ein wahrer „Knochenschinder“!
Der Übernachtungspreis von 45 Euro für Halbpension erschien uns allerdings sehr hoch, besonders da nur ein spartanisches italienisches Frühstück mit Zwieback angeboten wurde (Rif. Alta Via, Tel. 0184-206754, Handy 3471148174 oder 3394749822, e-mail: silvdall@libero.it).
4. Tag (Rifugio Alta Via – Ventimiglia; Gesamtgehzeit rund 4 ¼ Stunden):
Vom Rif. Alta Via geht man zweckmäßiger Weise nicht zurück zum Passo del Cane, sondern folgt der Teerstraße talabwärts bis zur Abzweigung der Straße nach Rocchetta Nervina (links). Geradeaus weist der Wegweiser nach „Ventimiglia (strada)“, wir folgen der nach rechts abzweigenden Straße, die ebenfalls mit „Ventimiglia“ ausgeschildert ist. Diese Straße führt uns in wenigen Minuten zur AV, der wir nach links folgen. Im folgenden Verlauf der AV bis Ventimiglia gibt es zahlreiche Abzweigungen und man muss hier stets sehr gut auf die Markierungen achten (wir sind aus Unachtsamkeit auch ein kurzes Stück im Kreis gelaufen)! Oberhalb von Ventimiglia durchquert man gut markiert ein Ferienhausviertel und findet hier am Ende einer Sackgasse die letzte Markierung. Man muss hier dem schmalen Pfad folgen, der rechts nach dem letzten Haus auf der rechten Seite abzweigt und zunächst direkt an dieser Grundstücksgrenze entlangführt. In langen Kehren geht es den letzten Hang nach Ventimiglia hinunter. Wenn der Pfad wieder auf die Straße trifft, folgt man dieser nach rechts, bis man die Brücke über die Eisenbahn direkt neben dem Bahnhof erreicht.
Von hier erreicht man mit dem Zug in 15 Minuten San Remo (1,50 Euro) und von dort in rd. 1 ½ Stunden mit dem Bus (Riviera Trasporti) den Ausgangsort Triora (3 Euro).
5. und 6.Tag:
Wer die GTA bis zum Mittelmeer verlängert, tut dies wahrscheinlich – wie wir – um die Wanderung mit einem Bad im Meer zu krönen.
Nachdem wir unser Auto wieder abgeholt haben, verbringen wir noch zwei Tage zum Baden in Noli bei Savona, das uns die sehr freundliche Inhaberin des Hotels Colomba d´Oro in Triora empfohlen hatte. Dieser Ort ist noch nicht so extrem touristisch ausgelegt und daher sehr angenehm. Sehr zu empfehlen ist das einfache, aber korrekte „Albergo Elena“ am Eingang zur Altstadt. Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer 32,50 Euro p.P. und Nacht. Ein gutes, wenn auch nicht ganz billiges Restaurant direkt am Meer ist das „Ristorante Pizzeria Garden Park“, Via Verdi 32. Tischreservierung für die Terrasse mit Meerblick ist empfehlenswert.
FAZIT:
Eine wunderbare Wanderung, noch abseits des Massen-Bergwanderns, die ich nur jedem empfehlen kann! Allerdings sollte man die Tour unbedingt in Nord-Süd-Richtung machen, da man in dieser Richtung weit überwiegend bergab gehen kann, während es in der Gegenrichtung logischerweise entsprechend mehr bergauf geht: bei Temperaturen von 30 Grad und mehr im Schatten Mitte Juni war selbst das Bergabgehen schon extrem schweißtreibend. Wasser sollte man daher unbedingt reichlich mitnehmen, da es unterwegs – außer an den bewirtschafteten Hütten – nirgends Trinkwasser gab. Wir hatten jeder rund 2 ½ Liter dabei und das war viel zu wenig!
1. Tag (Anreise aus Süddeutschland):
Startpunkt unserer Wanderung war der „Hexenort“ Triora, wo wir nach der Anreise im Albergo Colomba d´Oro übernachteten (Halbpension mit 4-Gang-Menue à la carte - hervorragendes Essen! - 58 €, „Man spricht deutsch“). Der Ort ist sehr sehenswert, ein Abstecher bei einem weiter nördlicheren Beginn der Wanderung auf der AVML lohnt auf jeden Fall! Die Rückkehr zur AV über das Rif Allavena muss nicht – wie in Bätzings GTA-Führer erwähnt – auf der Straße erfolgen (vgl. 2.Tag)!
2. Tag (Triora – Rifugio Allavena, Gesamtgehzeit ca. 4 Stunden):
In Triora beginnt die Wanderung an der Wache der Carabinieri. Wir folgen hier den Wegweisern „Colle Melosa“ und „Loreto“ nach links. Nach ein paar Minuten auf der Straße geht der Weg („mulatteria“) am Ortsende in einen angenehmen Wiesensteig über: es folgt ein herrliches Wegstück durch wunderbar blühende Wiesen und vorbei an blühendem Ginster. Etwas lästig sind die hüfthohen Disteln, die desöfteren in den Weg hineinwachsen und unsere Beine hin und wieder zerkratzen. Die Markierung ist sehr gut (rot-weiß). Vorbei an einigen Kreuzwegstationen erreichen wir Loreto, wo wir die Brücke überqueren und der Asphaltstraße folgen, bis uns rechts einige Wegweiser den Weg Richtung Colla Belenda und Colla Melosa weisen. Achtung: schon nach kurzer Zeit zweigt der Steig von dem nicht geteerten Sträßchen ab, an der Abzweigung befindet sich leider keine Markierung! Nicht die durch zwei Steinsäulen und eine Kette abgesperrte Einfahrt zu einem privaten Ferienhaus überqueren, dann sind Sie bereits zu weit (wir sind hier zuerst auch falsch gegangen)!
Etwas oberhalb der unmarkierten Abzweigung finden sich auch wieder hinreichend Markierungen. Nun geht es stramm bergauf, bei rund 30 Grad Celsius wahrlich schweißtreibend, zu den verfallenen Hütten Case Goeto. Für diesen Pfad empfehle ich unbedingt Wanderschuhe, da wir auch Bekanntschaft mit einer Schlange geschlossen haben! Weiterhin gut markiert und auf 1 a-präpariertem Steig (links und rechts des Steiges ist im letzten Teil vor der Fahrstraße sogar gemäht!) erreicht man in der Nähe des Colla Belenda die asphaltierte Fahrstraße, der man nach rechts bis zum Rifugio Allavena des CAI (Halbpension für Alpenvereinsmitglieder 25 €, sonst 30 €) folgt. Auf diesem letzten Stück hat man auch einen herrlichen Blick hinunter zum Stausee Lago Tenarda. Die Hütte ist zwar mit dem Auto erreichbar, es übernachten aber nur noch 4 Holländer mit uns auf der Hütte, die allerdings nicht auf der AV wandern. Die Hütte ist gut ausgestattet, sogar mit Dusche. Doch leider haben wir das „Glück“, das just am Tag unserer Ankunft ein größeres Problem mit der Wasserversorgung aufgetreten ist und wir deshalb mit dem wenigen vorhandenen Wasser sehr sparsam umgehen müssen. Einen gehörigen Schreck bekommen wir, als während eines heftigen Gewitters am frühen Nachmittag der Blitz irgendwo in oder bei der Hütte einschlägt und der Strom für ein paar Sekunden ausfüllt. Es ist aber zum Glück nichts weiter passiert!
3. Tag
a) vormittags Rifugio Allavena – Rifugio Muratone (Gesamtgehzeit ca. 4 Stunden):
Vom Rif. Allavena folgen wir der Straße, die nur bis zu der von der Hütte aus sichtbaren Linkskurve geteert ist. An jener Kurve folgen wir nicht dem Steig zum Rif. Monte Grai, sondern laufen auf der alten Militärstraße weiter. Die Strecke ist zwar etwas länger, wegen der geringeren Steigung aber gerade an heißeren Tagen wesentlich angenehmer. Die nach links abzweigenden Pfade zum Alpini-Steig lassen wir unbeachtet, da es sich hier um einen Klettersteig (via ferrata) handelt. Erst beim Wegweiser „Ventimiglia“ zweigen wir nach links auf den kleineren Fahrweg ab, der uns in wenigen Minuten zur Alta Via (AV) bringt. Nach rechts geht es Richtung Rif. Monte Grai und Rif. San Remo, wir folgen der AV nach links und erreichen nach wenigen Minuten den Passo della Valetta (1 ¼ Std). Am Pass ist der Weg auch als „sehr schwierige“ Mountainbike-Route ausgeschildert, und im weiteren Verlauf des Weges fragen wir uns desöfteren, welche „Irren“ hier wohl mit dem bike unterwegs sind. Vom Passo della Valetta geht es angenehm kühl beschattet bergab, besonders auffallend sind die aufblühenden Alpenrosenfelder, und schier unglaublich ist die Vielzahl von Schmetterlingen, die wir hier wie auf der gesamten Wanderung antreffen. Wir umrunden den Monte Pietravecchia auf der Westseite und erreichen über den Col d´Incise (2 Std) nach 2 ½ Std. den Passo di Fonte Dragurina am Monte Torragio, wo wir von einer Gruppe weidender Ponys überrascht werden. Nach 3 ½ Std. passieren wir den französisch ausgeschilderten Col de Corbeau und nach 4 Std. erreichen wir bereits das Rif. Muratone. Die im GTA-Führer von Bätzing angegebene Zeit von 6 ½ Std stimmt wohl für die Gegenrichtung; weil es in unserer Richtung aber überwiegend bergab geht, ist diese Zeitangabe reichlich übertrieben. Eigentlich sollte das Rifugio unser Posto tappa sein, doch da wir bereits um 12 Uhr ankommen, beschließen wir, auch noch die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.
b) nachmittags Rifugio Muratone – Rifugio Alta Via (Gesamtgehzeit ca. 5 Stunden):
Da die nächste Etappe im GTA-Führer als sehr lang ausgewiesen ist und auch die Sicht etwas diesig ist, beschließen wir, auf der AV-Variante weiter zu wandern. Die Variante ist nicht als solche markiert, aber da man nur immer der Militärstraße folgen muss und auch die IGC-Karte sehr genau ist, stellt die fehlende Markierung kein Problem dar. Vom Rif. Muratone erreichen wir nach 5 Minuten den Passo Muratone und nach 15 Minuten den Colle Scarassan. Hier folgen wir nicht der AV, sondern gehen auf dem Strässchen weiter bis Gola di Gouta (30 Min). Dort folgen wir der Teerstraße nach rechts bis zu deren Ende, wo wir nach Überquerung der Brücke der Militärstraße nach links folgen. Alle Abzweigungen, z.B. zur Margheria Gion, lassen wir unbeachtet. Nach 3 ½ Std. erreichen wir das verlassene Rifugio Pau. Schade, dass das Rifugio nicht bewirtet ist, denn ab jetzt wurden unsere Beine immer schwerer und die Blasen an den Füßen immer mehr und der Himmel immer schwärzer! Kurz nach dem Rif. Pau mündet am Colla Sgora auch die AV wieder auf die alte Militärstraße ein. Die Militärstraße würden eingefleischte Bergwanderer wohl als „Autobahn“ bezeichnen, doch auch hier ist festes Schuhwerk und Aufmerksamkeit erforderlich, da der Straßenbelag häufig aus sehr grobem Schotter bzw. Gesteinsbrocken besteht und man leicht umknicken kann, wenn man während des Laufens allzu fasziniert ein Auge auf die Umgebung wirft!
Bereits am Vortag hatten wir am Rif. Allavena ein heftiges Gewitter erlebt, und daher versuchten wir nun im Galoppschritt, möglichst schnell an Höhe zu verlieren. Leider schafften wir es nicht mehr bis zum Rifugio Alta Via, ein etwas überhängender Berghang bot uns aber hervorragenden Schutz vor den Blitzen. Aus einem hier in der Natur entsorgten Fiat Ducato holen wir uns noch zwei Brettchen zum Draufsetzen, so dass wir es sogar halbswegs bequem hatten. Die Gewitterzelle war so schnell abgezogen wie sie gekommen war, und so nehmen wir bald den letzten Rest der Doppel-Etappe in Angriff. In der Aufregung des Gewitters haben wir die Abzweigung der AV von der Militärstraße am Passo del Cane übersehen, aber das macht nichts, weil wir sowieso auf letzterer bleiben müssen, um zum Rif. Alta Via zu gelangen. Wir sind zunächst allerdings etwas irritiert, da die Straße gem. IGC-Karte eigentlich schon viel früher asphaltiert sein müsste als es tatsächlich der Fall ist. Da es laut Karte aber keine weiteren Abzweigungen gibt, sind wir uns ziemlich sicher, auf dem richtigen Weg zu sein, was sich schließlich auch bestätigt. Die Straße ist erst ab den ersten Häusern asphaltiert und von hier an sind es nur noch wenige Minuten, bis uns ein Schild an der linken Straßenseite den Eingang zum Rif. Alta Via weist. Die Hausherrin empfängt uns schon mit einem vielfachen „bravi“, und nach dieser Mammut-Etappe wehren wir dieses Lob auch gar nicht als übertrieben ab. Wir haben auf dieser Etappe das Tempo wegen des Gewitters teilweise sehr forciert, so dass die 5 Stunden keinesfalls als Richtwert genommen werden sollten, ich rate sogar ab, diese beiden Etappen wie wir an einem Tag zu machen! Solch eine Mammutetappe, noch dazu bei großer Hitze ist ein wahrer „Knochenschinder“!
Der Übernachtungspreis von 45 Euro für Halbpension erschien uns allerdings sehr hoch, besonders da nur ein spartanisches italienisches Frühstück mit Zwieback angeboten wurde (Rif. Alta Via, Tel. 0184-206754, Handy 3471148174 oder 3394749822, e-mail: silvdall@libero.it).
4. Tag (Rifugio Alta Via – Ventimiglia; Gesamtgehzeit rund 4 ¼ Stunden):
Vom Rif. Alta Via geht man zweckmäßiger Weise nicht zurück zum Passo del Cane, sondern folgt der Teerstraße talabwärts bis zur Abzweigung der Straße nach Rocchetta Nervina (links). Geradeaus weist der Wegweiser nach „Ventimiglia (strada)“, wir folgen der nach rechts abzweigenden Straße, die ebenfalls mit „Ventimiglia“ ausgeschildert ist. Diese Straße führt uns in wenigen Minuten zur AV, der wir nach links folgen. Im folgenden Verlauf der AV bis Ventimiglia gibt es zahlreiche Abzweigungen und man muss hier stets sehr gut auf die Markierungen achten (wir sind aus Unachtsamkeit auch ein kurzes Stück im Kreis gelaufen)! Oberhalb von Ventimiglia durchquert man gut markiert ein Ferienhausviertel und findet hier am Ende einer Sackgasse die letzte Markierung. Man muss hier dem schmalen Pfad folgen, der rechts nach dem letzten Haus auf der rechten Seite abzweigt und zunächst direkt an dieser Grundstücksgrenze entlangführt. In langen Kehren geht es den letzten Hang nach Ventimiglia hinunter. Wenn der Pfad wieder auf die Straße trifft, folgt man dieser nach rechts, bis man die Brücke über die Eisenbahn direkt neben dem Bahnhof erreicht.
Von hier erreicht man mit dem Zug in 15 Minuten San Remo (1,50 Euro) und von dort in rd. 1 ½ Stunden mit dem Bus (Riviera Trasporti) den Ausgangsort Triora (3 Euro).
5. und 6.Tag:
Wer die GTA bis zum Mittelmeer verlängert, tut dies wahrscheinlich – wie wir – um die Wanderung mit einem Bad im Meer zu krönen.
Nachdem wir unser Auto wieder abgeholt haben, verbringen wir noch zwei Tage zum Baden in Noli bei Savona, das uns die sehr freundliche Inhaberin des Hotels Colomba d´Oro in Triora empfohlen hatte. Dieser Ort ist noch nicht so extrem touristisch ausgelegt und daher sehr angenehm. Sehr zu empfehlen ist das einfache, aber korrekte „Albergo Elena“ am Eingang zur Altstadt. Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer 32,50 Euro p.P. und Nacht. Ein gutes, wenn auch nicht ganz billiges Restaurant direkt am Meer ist das „Ristorante Pizzeria Garden Park“, Via Verdi 32. Tischreservierung für die Terrasse mit Meerblick ist empfehlenswert.
FAZIT:
Eine wunderbare Wanderung, noch abseits des Massen-Bergwanderns, die ich nur jedem empfehlen kann! Allerdings sollte man die Tour unbedingt in Nord-Süd-Richtung machen, da man in dieser Richtung weit überwiegend bergab gehen kann, während es in der Gegenrichtung logischerweise entsprechend mehr bergauf geht: bei Temperaturen von 30 Grad und mehr im Schatten Mitte Juni war selbst das Bergabgehen schon extrem schweißtreibend. Wasser sollte man daher unbedingt reichlich mitnehmen, da es unterwegs – außer an den bewirtschafteten Hütten – nirgends Trinkwasser gab. Wir hatten jeder rund 2 ½ Liter dabei und das war viel zu wenig!