2005

Vom Santuario di Graglia über das Rifugio Mombarone nach Quincinetto

1. Tag:

Start unserer diesjährigen Wanderung war das Santuario di Graglia in der Provinz Biella. Da die Aufstiegszeit im Internet mit rund 2 ½ Stunden angegeben war, wollten wir die erste Etappe zum Rifugio Mombarone noch am Anreisetag in Angriff nehmen – keine gute Entscheidung wie sich bald herausstellen sollte.

Am Santuario konnten wir den Weg zum Rifugio nicht auf Anhieb finden. Als wir einen älteren Herrn nach dem Weg fragen, rät er uns, mit dem Auto gleich bis zur Kirche San Carlo hinaufzufahren – und steigt in seinen roten Panda, um uns als „Follow Me“-Fahrzeug dorthin zu geleiten. Am Parkplatz bei San Carlo (GPS 32T 0417.997  5046.597) ist der Weg denn auch leicht zu finden, er beginnt direkt gegenüber dem Parkplatz.

Bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel marschieren wir los und trotz des gut markierten Weges schaffen wir es, an einer Abzweigung auf einen unmarkierten Pfad zu kommen. Wir gehen durch immer höher werdendes Gras in Richtung der vor uns liegenden Alm, in der Hoffnung, dort nach dem Weg fragen zu können. Der Senner meint denn auch, dass wir nur den rechts sichtbaren, mit niedrigem Buschwerk bedeckten Hang queren müssten, dann würden wir wieder auf den markierten Weg kommen. Querfeldein folgen wir dieser Anweisung und erreichen auf dem markierten Steig alsbald die Alpe Burnero sopra (GPS 32T 0415.890  5046.429) mit einem herrlichen Blick hinunter zum Santuario und über die weite Tiefebene.

Die vereinzelten Wolken wurden nun in einem rasanten Tempo immer dichter und dunkler, und just als wir einen Grat erreichen, an dem ein Kreuz für einen vom Blitz erschlagenen Italiener steht, gehen die erste Blitze nieder und es beginnt zu schütten. Da wir mitten in den dichten Wolken ohne Sicht Richtung Mombarone überhaupt nicht abschätzen können, wie weit es noch bis zur Hütte sein könnte, wir uns andererseits der akuten Lebensgefahr absolut bewusst waren, suchten wir eilends eine geschützte Stelle und fanden zum Glück auch sehr schnell eine kleine Vertiefung unterhalb des Grates, von der wir annahmen, dass sie uns ausreichenden Schutz vor den Blitzen gewähren würde. Niedergekauert werfen wir uns noch schnell die Regenumhänge über - gerade rechtzeitig, denn der Regen wird immer heftiger und geht in einen Graupelschauer über. Mir war zugegebenermaßen ziemlich mulmig zumute und ich weiß nicht mehr so genau, wie lange wir dort verharrt haben. Als zumindest das Gewitter weit genug weggezogen ist, machen wir uns wieder auf die Beine, da es auch schon ziemlich spät ist – die 2 1/2 Stunden haben wir bereits um einiges überschritten!

immer noch regnet und graupelt es, die gesamte Landschaft ist weiß bedeckt. Der Schreck steckt mir noch in den Gliedern und so fällt mir jeder Schritt doppelt schwer. Mein Freund geht voraus und als er ruft „Da vorne ist die Hütte“, fällt mir ein Stein vom Herzen und Blei von den Beinen!

Die Hüttenwirte, ein älteres Ehepaar, kann es gar nicht fassen, dass die angemeldeten Deutschen bei diesem Wetter tatsächlich noch kommen.

Wieso fällt mir zu diesem Zeitpunkt gerade die Redewendung „stupidi tedeschi“ ein?   ;-))

Umso liebevoller werden wir anschließend versorgt. Nachdem uns der Wirt unsere Schlafstätte gezeigt hat und wir die durchnässte Kleidung mit trockener getauscht haben, gibt es zunächst einmal die von uns äußerst dankbar angenommenen großen Kannen Kaffee und Tee. Auch mit Essen werden wir reichlich versorgt, die Menge hätte vermutlich auch für 10 Personen ausgereicht. Selbst Zöliakie ist hier kein Fremdwort.

Während es draußen weiter unaufhaltsam schüttet, verbringen wir einen unterhaltsamen Abend mit unseren Gastgebern. Der Hüttenwirt erzählt uns auch vom Mombarone-Lauf, der jetzt im Aostatal startet, früher aber beim Santuario di Graglia losging. Den Rekord von dort aus hielt angeblich ein Arzt mit einer Zeit von weniger als einer Stunde, wir können das kaum glauben. Zur Beschreibung des Arztes nimmt der Wirt plötzlich ganz martialisch das große scharfe Käsemesser in die Hand, fährt mit dem Daumen die Klinge entlang und meint dann lapidar: „Der war so schmal wie eine Messerklinge“.

Die Hütte befindet sich gerade noch im Umbau – übrigens mit Strukturmitteln, die anlässlich der Olympiade 2006 in Turin ausgelobt wurden – und daher sind auch die sanitären Anlagen bei unserem Aufenthalt nur eingeschränkt nutzbar. Der Hüttenwirt weist uns daher noch in das nächtliche „fare pipi“ ein: Am Ende des Schlafraums im ersten Stock führt eine Tür direkt ins Freie zu einer Gittertreppe – durch das Gitter laufe ja alles durch und der Regen spüle es schon weg…. ;-)

2. Tag:

In der Nacht habe ich kaum ein Auge zu getan, der Regen prasselte weiterhin ununterbrochen auf das Blechdach der Hütte. Auch am Morgen zum Frühstück ist noch keine Wetterbesserung in Sicht. Während des Frühstücks ruft auch unser Lotse vom gestrigen Tag an, ein Freund der Wirtsleute, und erkundigt sich, ob wir gut angekommen sind.

Gegen 10 Uhr lässt der Regen nach und bis wir marschfertig sind, regnet es nur noch ganz leicht. Die Wolken hängen immer noch tief, so dass wir nicht mal mehr einen Blick auf den Gipfel des Mombarone werfen können. Dennoch nehmen wir Abschied vom Rifugio Mombarone (GPS 32 T 0413.727  5048.338).

An der ersten Abzweigung nicht weit unterhalb der Hütte geht man nicht geradeaus, sondern folgt dem Weg rechts hinunter bis zum Lago Mombarone (Wegweiser am Lago GPS 32T 0412.860  5048.441). Von hier aus halten wir uns immer ziemlich links und erreichen - nach längerer Wanderung als erwartet – die Fahrstraße oberhalb von Trovinasse (GPS 32T 0411.086  5047.399).

Im weiteren Verlauf der Fahrstraße ist uns nicht ganz klar, in welche Richtung wir gehen müssen. Nachdem wir einmal im Kreis gegangen sind, stoppen wir einen Pickup, um den Fahrer nach dem Weg zu fragen. Er bietet uns gleich an, uns mit nach Trovinasse zu nehmen. Nachdem ich vom Abstieg zwei große Blasen an den Füßen habe, nehmen wir dankend an. Als der Fahrer erfährt, dass wir nach Quincinetto wollen, meint er, er könne uns doch gleich ins Tal bis Settimo Vittone mitnehmen, wo er hin müsse. Die Fahrstraße sei ja schließlich auch nicht gerade angenehm zu laufen. Gesagt – getan! Kein Thema, dass uns unser Chaffeur natürlich gleich bis Qunicinetto kutschierte! Grazie, signore!

Das Mini-Hotel Praiale, in dem wir uns bereits von Deutschland aus angemeldet hatten, war schnell gefunden – allerdings war am Eingang ein Zettel angebracht, dass wegen eines Todesfalls geschlossen sei. Wir sind uns unschlüssig, ob wir klingeln sollen, entschließen uns jedoch, es zu tun. Der Hotelinhaber teilt uns mit, dass seine mama gestorben sei. Wir könnten zwar übernachten, er könne uns aber nicht mit einem Frühstück versorgen. Wir bemühen uns daher, ziemlich unsichtbar und geräuschlos zu bleiben. Beim Abendessen in einem sehr gut besuchten Restaurant (der Name ist mir leider entfallen) oberhalb des Ortes , beschließen wir, aufgrund meiner Blasen nicht auf der GTA weiter zu laufen, sondern mit Bus und Bahn zurück zum Santuario die Graglia zu fahren, um das Auto „nachzuholen“.

3. Tag:

Nach dem Frühstück in der Bar nehmen wir den Bus nach Ivrea und fahren mit dem Zug weiter nach Biella, von wo uns wiederum ein Bus hinauf zum Santuario di Graglia bringt. Von hier müssen wir noch die Mini-Wanderung hinauf nach San Carlo bewältigen. Auf der Fahrt nach Biella hatten wir beschlossen, für den Rest des Urlaubs ein festes Quartier im Aostatal zu beziehen. Nach einigem Suchen wurden wir fündig beim Agroturismo La Perce Neige (1183 m GPS 32T 0349.151  5068971) in Chateau oberhalb des Aostatals, einem Ortsteil von Morge.

4. Tag:

Da uns am Morgen sehr gutes Wetter beschert war, entschlossen wir uns zu einem weiteren geruhsamen Tag und machten einen Ausflug mit der Monte Bianco-Seilbahn zum Rifugio Torino (3370 m GPS 32T 0339.576  5078.905) und zur Punta Helbronner (3462 m GPS 32T 0339.391  5079.024) und anschließend zum Kleinen San Bernhard-Pass. Die Aussicht war jeweils grandios!

5. Tag:

Anhand einer Karte mit Tourenvorschlägen vom örtlichen Tourismusbüro entschieden wir uns für eine Wanderung hinauf zum Lago Licony. Zunächst konnten wir mit dem Auto noch ein paar Höhenmeter gewinnen, da der Wanderweg an einem Parkplatz (1697 m GPS 32T 0349.845  5070.396) ein paar Kilometer oberhalb von Chateau beginnt. Der Weg führt zunächst durch den Wald hinunter zu einem Ferienhaus (1629 m GPS 32T 0350.001  5070.852).

Bald darauf zweigt der Weg nach Licony von dem Fahrsträßchen nach links ab ( 1703 m GPS 32T 0349.720  5071.070). Bei der Abzweigung nach Planaval (1646 m GPS 32T 0349.856  5070.923) halten wir uns links und erreichen die Bachquerung am Ende des kleinen Seitentals (1832 m GPS 32T 0349.164  5072.249). In diesem Bereich war der Weg offensichtlich im letzten Winter oder Frühjahr großflächig abgerutscht, er wurde daher größtenteils etwas anders trassiert und neu befestigt. Kurz vor dem früheren Almdorf Licony trifft man wieder auf eine nichtaspaltierte, für den Individualverkehr gesperrte Straße (1871 m GPS 32T 0348.612  5071.688). Licony lässt man im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und quert in der Nähe des Dorfes einen Bach (1902 m GPS 32T 0347.923  5071.998), bevor der letzte Anstieg zum Lago Licony (2564 m GPS 32T 0347.068  5073.709) beginnt.

Nach kurzer Rast inmitten von Enzianfeldern ziehen wieder dunkle Wolken auf und so brechen wir auf und machen uns auf gleichem Weg schleunigst auf den Rückweg zum Auto, das wir noch trockenen Fußes erreichen!

6. Tag:

Rückreise nach Deutschland über den Großen San Bernhard-Pass und quer durch die Schweiz.