August 2010 : Via Spluga und Via Sett


Dieses Jahr haben wir uns für eine Rundwanderung an der Schweizerisch-italienischen Grenze entschieden:

Auf der
Via Spluga von Thusis/Sils im Domleschg nach Chiavenna und von dort über den Septimerpass zurück nach Savognin/Thusis. Wir haben dabei die Pauschalen von viamalaferien.ch und Bregaglia Engadin turismo in Anspruch genommen, da diese bzgl. den Etappen auch individuell an unsere Wünsche angepasst werden konnten.

Das Auto kann im Rahmen der Pauschale bis zu acht Tage in Thusis nahe dem Bahnhof "parkiert" werden, wie die Schweizer sagen. Da wir erst ca. eine Woche vor Reisebeginn gebucht haben, waren alle Betten in Thusis belegt. Dies war allerdings egal, da man in kurzer Zeit von Thusis nach Sils gelaufen ist und Sils sowieso an der schöneren "Traversina-Route" zu Beginn der Via Spluga liegt.

Mit durchwachsenem Wetter beginnt die erste Etappe in Sils bei schöner Wegführung, sehr imposant und sehenswert ist die 1995 erbaute Traversina-Hängebrücke unweit der berühmten Viamala-Schlucht. Hierr erreicht man unversehens allerdings wieder den Massentourismus mit Autos, Motorrädern und einigen Bussen.

Im weiteren Verlauf bis Splügen wechseln sich schöne Wegabschnitte ab mit einigen ganz und gar nicht schönen: teilweise direkt entlang der Autobahn zum San Bernardino - nur durch einen Zaun getrennt- und in der Nähe von anderen vielbefahrenen Straßen, wo man die Autos zwar nicht sieht, der Autolärm sich aber einen unschönen Wettkampf um die Vorherrschaft mit dem Rauschen der Flüsse und Bäche liefert.

Auch abseits der Autostraßen sind die Feldwege oft asphaltiert, eine wahre Tortur für die Füße - zumal wenn man in Bergstiefeln steckt! Verständlich ist zwar die Absicht der Initiatoren, mit der Wegführung möglichst nahe am historischen Weg zu bleiben, doch würde der Wanderer ein bisschen Abweichung zur Umgehung von Asphalt sicher gutheißen und danken!

Angenehm war das Mineralbad in Andeer nach solcher Fuß-Tortur! Sehenswert die Rofflaschlucht am nächsten Tag, leider bei strömendem Regen - dafür waren wir auch allein in der Schlucht. Wunderbar das Hotel Weiss Kreuz in Splügen, in dem alte Bausubstanz in ungewohnter Weise, aber durchaus einfühlsam mit modernem Interieur zusammengeführt wurde. Im Aussichtsrestaurant des Hotels bereiten wir uns - im Anblick der neuschneebedeckten Berge - seelisch darauf vor, morgen am Splügenpass auf sommerlichen Schnee zu treffen!

Für den nächsten Tag war erneut möglicher Regen angekündigt worden, daher nehmen wir den ersten Bus hinauf zum Splügenpass. Gegen acht Uhr entlässt uns der Bus in die eisige Kälte - Fleece und Anorak reichen gerade aus, um uns warm zu halten. Zunächst treffen wir keine Menschenseele, dann einen Bauer, der seine Kühe auf die Weide treibt.

Die Bäche hinunter nach Montespluga  führen wegen des starken Regens der vergangenen Tage viel Wasser. Sofern die Bachquerungen ohne Brücken angelegt sind, stehen die Trittsteine allesamt unter Wasser - so werden die Schuhe wenigstens wieder schön sauber!

Famos der Abstieg durch die Cardinello-Schlucht, an den Hinterlassenschaften unter den überhängenden Felsen sieht man, dass auch die Tiere hier zahlreich Zuflucht während des Regens gesucht haben.

Nach Isola laufen wir noch ein paar Ortschaften das Tal hinunter und erreichen dann in einem Spurt gerade noch den Bus nach Chiavenna. Das Hotel Crimea liegt ideal in Bahnhofsnähe, ein Stadtrundgang vermittelt uns italienisches Flair.

Am nächsten Tag startet der Rückweg auf der Via Bregaglia nahe dem Castello in Chiavenna. Auf teils angenehmen Pfaden, aber auch wieder auf sehr viel Asphalt geht es über die Grenze zurück in die Schweiz und über Stampa nach Vicosoprano. Um uns einen weiteren Marsch auf hartem Untergrund zu ersparen, nehmen wir am nächsten Morgen den Bus nach Casaccia. Hier beginnt der schönste Teil der Wanderung: Über den Septimerpass nach Bivio und von dort über die Alpe Flix nach Savognin, dem Ende unserer Tour.

Fazit:
Eine Wanderung mit viel Positivem und ungewohnt viel Negativem - die vielen asphaltierten Wegstücke! Daher kann ich eigentlich nur einige Streckenabschnitte weiterempfehlen.