Juli 2008 Von Susa nach Usseglio mit Abstecher zum Rocciamelone
Unsere Anreise erfolgte sonntags, das hatte sich fahrtechnisch in den letzten Jahren als optimal erwiesen: keine LKW und nach dem samstäglichen Urlauberverkehr. Übernachtet haben wir im Hotel Stazione, nicht zu verfehlen an der Hauptstraße gegenüber des Bahnhofs.
Der sehr freundliche Hotelbesitzer gibt uns den Tipp, dass an diesem Nachmittag im antiken teatro von Susa eine Art palio stattfindet. Nach einem kurzen Rundgang durch die Stadt greifen wir die Anregung auf - und es war in der Tat ein sehenswertes Spektakel. Es handelt sich um einen Wettkampf der Stadtviertel von Susa in den Disziplinen Bogenschießen, Reiterwettbewerb und Tauziehen, alles natürlich in historischen Gewändern. Unten in der Arena ist auch eine eigene Zuschauertribüne für die Bürger der Stadtviertel errichtet, in denen Sie in Gewändern in der farbe des jeweiligen Stadtteils ihre Kämpfer - teils mit Trommeln - anfeuern.
Palio

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Am nächsten Morgen parken wir zunächst das Auto auf dem großen Parkplatz hinter dem Bahnhof. Hier kann man das Auto kostenfrei auch über mehrere Tage stehen lassen. Man sollte sich aber vorher erkundigen, an welchen Tagen der Markt stattfindet, denn der findet auf einem Teil dieses Parkplatzes statt.
Nur wenige Minuten vom Parkplatz entfernt überqueren wir den T. Cenischia und folgen gleich nach der Brücke dem Wegweiser links Richtung Mompantero. Hier finden sich bereits die ersten GTA-Markierungen. Wenig später darf man an der Straßengabelung nicht dem Wegweiser "La Riposa" folgen: das ist zwar das Ziel, aber der Wegweiser gehört zur Fahrstraße, die nach La Riposa führt. Wir gehen noch eine Weile ziemlich unspektakulär auf der Straße Richtung Mompantero weiter, immer in Sicht- und Hörweite der Autobahn. Ein kleiner Brunnen an einem Platz rechts der Straße gibt uns die Möglichkeit, die bereits heraus geschwitzte Flüssigkeit wieder nachzufüllen. Im Ortsteil San Giuseppe zeigt uns schließlich (und endlich!) eine Markierung vor dem Kirchlein die Abzweigung der GTA nach rechts an. Nach nur wenigen Schritten geht es links zwischen den Häusern hindurch, wo der eigentliche Pfad Richtung Trucco beginnt. Es ist ziemlich warm und wir kommen schon bald ins Schwitzen und schnaufen, die erste Etappe ist doch immer die anstrengendste! Trotz bester Markierung haben wir es auch diesmal wieder geschaft, an einer Weggabelung die falsche Richtung zu nehmen. Als wir an eine verfallene Alm kommen und auch hier weder Wegweiser noch Markierung zu finden sind und der Weg sich ab hier immer mehr verliert, kehren wir um, natürlich nicht ohne uns noch vorher an dem noch intakten Brunnen zu laben. Insgesamt rund eine halbe Stunde zusätzliche Gehzeit hat uns der Abstecher "gekostet".
Nach gut 1 Stunde quert man die Straße von Mompantero nach La Riposa, die man hier zum Glück noch nicht benutzen muss. Auf rund 1600 Meter Höhe erreicht man eine schöne Lichtung mit einem Haus (in der IGC-Karte eingezeichnet, aber ohne Namen), die wie geschaffen für eine wohlverdiente Brotzeit ist. Etwas lästig sind allerdings die Unmengen von Fliegen hier!
Wenig später erreichen wir den unteren Rand von Trucco, das wir im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen. Die Häuser von Trucco scheinen mittllerweile komplett zu Ferienhäuschen umgebaut worden zu sein, an diesem Sonntag war allerdings nur ein Teil wirklich bewohnt. An Ferragosto wird es hier vermutlich nicht mehr so beschaulich zugehen! Wenn wir die Beschilderung richtig gedeutet haben, befindet sich der posto tappa etwas nordöstlich des eigentlichen Ortes. Wir folgen - an einem Picknickplatz vorbei - dem Natursträßchen in Richtung Nordosten bis zur Einmündung in die Straße Mompantero - La Riposa. Vom Einmündungspunkt in Richtung Mompantero ist die Straße asphaltiert, der weitere Verlauf Richtung La Riposa allerdings nicht. Wir haben der Naturstraße den Vorzug gegenüber der eigentlichen GTA-Trasse gegeben, da sie zwar etwas länger, aber dafür auch etwas flacher ist. Das Sträßchen zieht sich zunächst in langgestreckten Kurven hin bis zur offensichtlich neu gebauten Alpeggio Pietracassa, die von Juni bis Oktober auch ein agriturismo betreibt.
Von der Straße bieten sich herrliche Ausblicke hinüber nach Tour und Mompantero Vecchio, ganz besonders auch weil bei inzwischen bewölktem Himmel immer wieder einzelne Sonnenstrahlen wie ein Scheinwerfer auf Tour gerichtet sind. Nach ein paar weiteren Kehren erreichen wir schließlich den "Rocciamelone-Parkplatz" an der Talstation der Materialseilbahn des Rifugio Cà d´Asti. Die Straße macht noch einen kleinen Schlenker um den letzten Bergrücken, dann haben wir unser Etappenziel erreicht: das Rifugio La Riposa. Das Rifugio wird von einer signora aus Venaus bewirtschaftet, zumindest in den Ferien helfen auch zwei Töchter mit. Wir sind erstaunt, dass in der Gaststube schon der Ofen eingeschürt ist, aber er ist uns natürlich äußerst willkommen zum Trocknen unserer durchgeschwitzten Kleidung. Wir haben La Riposa als Stützpunkt für 2 Nächte vorgesehen, und wir sind in dieser Zeit auch die einzigen Übernachtungsgäste. Offensichtlich fahren die meisten Leute, die auf den Rocciamelone wollen, bis zum Parkplatz an der Materialseilbahn mit dem Auto und übernachten dann gleich im Rifugio Cá d´Asti, was natürlich den Vorteil hat, dass der Gipfelaufstieg am nächsten Tag entsprechend kürzer ist.
Der Hotelbesitzer in Susa hatte uns allerdings erzählt, dass erst kürzlich zwei Schweizer bei ihm übernachtet hätten, die sehr über das Essen und die Unterkunft auf dem Rifugio Cà d´Asti geklagt hätten. Welch ein Glück, dass wir La Riposa gewählt haben! Das Essen war ein Gedicht: Zucchiniblüten in Polentateig, Fenchelsalat mit Walnüssen und natürlich der hervorragende Toma-Käse, um nur ein paar Beispiele zu nennen! Pünktlich zum ersten Abendessen erscheint ein französischer Schuhfabrikant, der mit seinem Gelandewägen auf den möglichst abgelegensten Wegen den ganzen Alpenkamm von Frankreich bis Slowenien entlangfahren will. Der Mann scheint öfters ungewöhnliche Reisegelüste auszuleben. so erzählt er, dass er vergangenes Jahr ein paar Wochen im Iran unterwegs gewesen sei... Ein echtes Erlebnis war übrigens die Verständigung zwischen Franzosen, Italiern und Deutschen: Ein Wechsel aus Französisch, Englisch und Italienisch mit einigen wenigen Brocken Deutsch!
Am späten Nachmittag gibt es ein heftiges Gewitter, doch die Wirtin beruhigt uns: es sei nichts Ungewöhnliches, dass es im Sommer Perioden gäbe, in denen es jeden Nachmittag / Abend gewittert. Auf meine Frage, ob es denn derzeit überhaupt sinnvoll sei, auf den Rocciamelone zu gehen, da der Gipfel meist schon am Vormittag in Wolken ist, meinnt sie: ma certo, man muss halt frühzeitig losgehen, möglichst bei Tagesanbruch.
Gesagt getan. Bei stockfinsterer Nacht piepst am nächsten Morgen der Wecker an meiner Armbanduhr. Nachdem wir uns den letzten Schlaf aus den Augen gewaschen und das noch am Vorabend bereit gestellte Frühstück zu uns genommen haben, dämmerte auch schon der Morgen und wir machen uns an den Aufstieg. Zuerst geht es rund 650 Höhenmeter hinauf zum Rifugio Cà d´Asti, wo wir eine kurze Verschnaufpause einlegen und das Fleece überziehen. Zu so früher Stunde ist es in dieser Höhe noch ziemlich frisch. Es ist erstaunlich ruhig am Rifugio, auch hier sind offensichtlich alle schon sehr frühzeitig zum Rocciamelone aufgebrochen!
Hinter der Hütte passieren wir zunächst den Hubschrauberlandeplatz und steigen der Markierung folgend durch den Hang mit losem Gestein hinauf zur Croccetta (ca 2 1/2 Stunden von La Riposa), deren Kreuz bereits auf einer Höhe von 3300 Metern steht. Von hier aus kann man den weiteren letzten Wegabschnitt sehr gut erkennen, da sich auf dem ganzen Weg bis hinauf zum Gipfel immer wieder Wanderer befinden. Auch der Gipfel ist bereits stark bevölkert.
Beim Abstieg hat man von der Croccetta stets das Rifugio Ca d´Asti im Blick, es gibt durch das lose Schotterwege unzählige verschiedene Wegspuren hinunter, sofern man nicht im Nebel läuft, ist es egal welcher man folgt: alle führen kurz vor dem Rifugio wieder zusammen!
Am Rifugio gönnen wir uns nochmals eine ausgiebige Rast. Leider sind schon wieder Wolken aufgezogen und eine Sicht auf den Rocciamelone ist nur noch hin und wieder möglich. Kurz nach unserer Rückkehr nach La Riposa am frühen Nachmittag setzt wieder ein mehrstündiger Regen ein.
Die beiden Tage hatten es in sich: von gut 500 Metern Ausgangshöhe in Susa auf weit über 3000 Meter hinauf und wieder runter nach La Riposa auf knapp 2200 Metern!
Der Handyempfang auf La Riposa funktioniert übrigens nur an einer bestimmten Stelle direkt am Nebeneingang!
Am nächsten Morgen nehmen wir für den ersten kurzen Wegabschnitt nicht das Strässchen zurück Richtung Trucco, sondern benutzen den Trampelpfad, der vom Hubschrauberlandeplatz vor La Riposa auf dem Grasrücken direkt zur ersten Strßenkehre hinunter führt. Die Straße queren wir hier allerdings nur, geradeaus geht ein unmarkierter Pfad weiter, teilweise sind es wohl auch nur die TRittspuren der Rindviecher! Aber ein Stück weiter unter hat man immer die Naturstraße im Hinblick, die uns zur Alpe Arcella führen wird. Kurz vor dieser mündet auch von rechts die eigentliche GTA ein, die nun auch mit spärlich mit rot gekrönten Pflöcken markiert ist. Das Sträßchen zieht sich schließlich in einem langen Bogen hinüber zur Alpe Arcella, wo der Aufstieg zum Passo Croce di Ferro beginnt. Vorbei an der Abzweigung der Via Alpina, die direkt zum Rifugio Cà d´Asti hinüberführt (Achtung: diesen Weg sind wir zwar nicht selbst gegangen, er wurde von der Hüttenwirtin auf La Riposa aber mehrfach als "brutto" bezeichnet), errichen wir schließlich die Anhöhe, von wo uns der Weg in weiteren 10 Minuten fast höhengleich zur Capanna sociale Ravetto hinüberführt. Am frühen Vormittag wabern hier oben schon wieder die obligatorischen Nebelschwaden hindurch, zum Glück konnten wir den grandiosen Ausblick hier herauf noch voll genießen. Und auch hinunter zum Lago Malciaussia gab uns der Nebel immer wieder die Gipfel zur Ansicht frei. Die GTA führt - in weiten Teilen natursteingepflastert (siehe Fotoseite 2008) - hinunter zur Westseite des Stausees, wo wir auf einer etwas maroden Brücke den Zulauf überqueren. Der Posto tappa befindet sich am Nordostende dess Sees im Albergo Vulpot, das bereits von weit oben sichtbar war. Bei einer kurzen siesta stellen wir fest, dass die Betten sehr weich und durchhängend sind, dafür ist das Abendessen sehr gut!
Mein Freund hat beim Abstieg Adduktoren-Probleme und wir hoffen, dass sich das bis zum nächsten Tag wieder gibt, da wir einen Tagesausflug zum Rifugio Tazzetti eingeplant haben und anschließend noch als Kurzetappe nach Usseglio weiterwollen. Als die Wirtin von unseren Plänen hört, meint sie: "In Usseglio ist es teuer, das Essen ist schlecht und die Portionen klein - wir sollten besse nochmals im "Vulpot" übernachten, sie könnte uns am darauffolgenden Tag auch nach Usseglio fahren, damit die anschließende Etappe nicht zu lang wird....die signora hatte uns bereits bei unserer Ankunft zum Schmunzeln gebracht mit ihrer Frage, warum wir denn von La Riposa in Richtung Lago Malciaussia gewandert wären, schließlich würden ALLE anderen Deutschen immer in die andere Richtung laufen!
:-))
Die Frage nach der Übernachtung erübrigt sich am nächsten Morgen, die Schmerzen sind nicht besser geworden, also beschließen wir die Rückkehr zum Auto nach Susa. Auf der Teerstraße gehen wir zunächst bis hinter die erste Kehre, wo an einem Strommast rechts die GTA zum Stausee-Abfluss hinunterführt. Auf einem schönen, teilweise etwas verschlammten Weg, und vorbei an Kühen und einem toten Fuchs erreichen wir kurz oberhalb von Margone wieder die Fahrstraße, der wir schließlich bis Usseglio folgen. Da wir in Usseglio weder eine Bushaltestelle noch einen Fahrplan finden, fragen wir in einer Bar und einem Albergo in der Dorfmitte nach. Von einem Bus aus dem Tal heraus um die Mittagszeit, wie ich das im Internet auf der Seite der Provinz Turin eroiert hatte, weiss keiner was! Die Gemeindeverwaltung bestätigt schließlich, dass der Mittagsbus schon länger nicht mehr verkehre, es gebe lediglich einen Bus am Abend. Da es noch mitten am Vormittag ist und wir noch über Turin bis Susa wollen, entschließen wir uns zum Autostopp. Da in Usseglio offensichtlich fast ausschließlichle Rentner zur Sommerfrische weilen, die mit gecharterten Bussen angereist sind, kommen leider nur sehr wenige Autos vorbei. Eine Frau, die ihre Mutter besuchen will, nimmt uns wenigstens schon mal zur nächsten Ortschaft mit. Glücklicherweise startet dort wenig später ein junger Mann zu seiner Arbeitsstätte in Turin, der uns bis zum Bahnhof mitnimmt. Die Bahnstrecke Ceres - Turin ist zu allem Überfluss momentan wegen Bauarbeiten auch nicht durchgängig befahrbar, so dass wir nach ein paar Stationen auf den Pendelbus nach Turin umsteigen müssen. In Turin wiederum müssen wir noch mit der Metro zum anderen Bahnhof fahren, ehe wir den Zug nach Susa besteigen können - doch dieser bleibt in einem Bahnhof unterwegs aus unerfindlichen Gründen 30 Minuten stehen...aber wir sind irgendwann dann doch noch angekommen. Und haben im Albergo Stazione wieder dasselbe Zimmer erhalten. Das Essen im Restaurant des Hotels ist zwar gut, aber relativ teuer und in unseren Augen auch schon sehr touristisch beeinflusst.
Bleibt zu hoffen, dass wir 2009 von Verletzungen verschont bleiben und auch das Wetter mitspielt. Ein genaueres Programm haben wir noch nicht ins Auge gefasst.